Schnupperfliegen

Die Kettenbacher Luftschwärmer begeistern den Nachwuchs für den Flugsport

KETTENBACH – Am vergangenen Samstag konnte sich, wer wollte, dem Traum vom Fliegen nähern. In der Tat nutzten diese Gelegenheit auch junge Menschen. Schon kurz nach Eröffnung des Schnuppertags der Modellflieger trafen fünf interessierte Teenager ein. „Wir nehmen auch Schulkinder“, sagt Gerhard Wollberg, der als Jugendleiter derzeit mit acht Jugendlichen in der Werkstatt der Kettenbacher Luftschwärmer steht, am Simulator und auf dem Platz das Fliegen trainiert.

Kein Mitgliedsbeitrag bis zur Volljährigkeit

Die Bausätze stellt der Verein: „Spaß und Können stehen im Vordergrund“, so Vereinsvorsitzender Sigmar Zaske. „Wir freuen uns natürlich über Nachwuchs, auch der Mitgliedsbeitrag entfällt bis zur Volljährigkeit.“

Weil er erst seit Kurzem im Verein ist, nutzt Maximilian Mengel einen Fertigflieger. Den Selbstbau plant er für den Winter, „wenn kein Fliegerwetter ist“, sagt der 14-Jährige aus Laufenselden. Ben (6) kommt mit seinem Opa, klebt seinem Styropormodell „Blei an die Nase, damit er besser fliegt“ und erhält von allen Seiten Tipps, als er ihn testet. Schon seit 1970 gibt es die „Luftschwärmer“, wie der Modellflugclub (MFC) in Kettenbach sich nennt. In diesem Jahr hat der Verein mit 65 Mitgliedern das gepflegte Gelände käuflich erworben. Ältester aktiver Flieger ist Hans Augustin. Den 85-Jährigen fasziniert der Modellflug seit den 1940er Jahren: „Wir haben jeden Flieger selbst gebaut, sogar meine Frau Erika hat geholfen.“ Was heute sonst noch anders ist? „Die ausgefeilte Steuerungstechnik.“ Sigmar Zaske erklärt, wie damit mehrere Flieger zugleich kollisionsfrei ihre Runden drehen. Nicht nur die Jugend nutzt die Werkstatt: Einen Nachbau des „Bergfalken 2“ hat Bernd Strassburger aus Holz und Textilfolie erstellt. Auf das Thema Drohnen angesprochen, schüttelt er grimmig den Kopf: „Drohnen sind unser Untergang. Fragen Sie Hanson.“ Warum der 2. Vorsitzende der Luftschwärmer so reagiert, erläutert Dirk Hanson, der zwar Flächenflieger ist, aber auch eine Drohne besitzt: An jeder Tankstelle seien die heute als Spielzeug im Angebot. Ohne Sachverstand und ohne Versicherung, ergänzt Zaske, werden die GPS-gesteuerten Drohnen eingesetzt. Wer aber das Fliegen nicht unter sachkundiger Anleitung erlernt habe, könne sich vor Unfällen nicht schützen. Und: „Keine private Haftpflicht trägt die Schäden. Wer bei uns fliegt, wird über unseren Dachverband versichert. Und wir bleiben natürlich im ausgewiesenen Flugsektor.“ Der Modellflugplatz oberhalb von Aarbergen-Kettenbach bietet eine traumhafte Aussicht über den Taunus. Die Höhenlage ist dem Hobby geschuldet, denn Segelflieger, auch unbemannte, arbeiten mit Thermik. Die große Angst der Modellflieger ist eine durch Drohnen-Missbrauch veranlasste Reglementierung der Flughöhe. „Unser Sc hlepper“, sagt Hanson, „zieht uns auf 300 bis 500 Meter hoch, nur dann bleibt ein Flieger mehrere Stunden oben. Müssten wir darunter bleiben, fehlte uns der Auftrieb.“

Wiesbadener Tageblatt 14.06.2016